16.01.2017 | News

REZ will Licht ins Dunkel bringen: wie werden KMU energieeffizienter?

Von: tec/pr-krk, Werner König (REZ)

Was kann ich als Mittelständler tun, damit die Möglichkeiten für einen effizienteren Umgang mit Energie, von dem mir schon so viele Berater erzählt haben, auch ausgeschöpft werden? Dazu trafen sich Ende Dezember fünf Industriebetriebe und vier Organisationen, denen das Thema Energieeffizienz ins Stammbuch geschrieben wurde, zusammen mit einem Forscherteam an der Hochschule Reutlingen.

Das Reutlinger Energiezentrum für Dezentrale Energiesysteme und Energieeffizienz an der Hochschule Reutlingen ist Initiator und Federführer des Forschungsprojekts, das in Kooperation dem Institut für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) der Universität Stuttgart und mit Unterstützung des Instituts für Soziologie der Universität Wien im Herbst 2016 gestartet ist. Aus der Industrie sind bisher die ProfilTec Spezialmaschinen GmbH aus Lörrach, die Mader GmbH & Co. KG aus Leinfelden-Echterdingen, BKW Küma Kälte-Wärme-Versorgungstechnik GmbH aus Wolfschlugen, Zellaerosol GmbH aus Zell im Wiesental und Adelhelm Kunststoffbeschichtungen GmbH aus Eningen dabei. Weitere Industriepartner kommen im Laufe des Jahres 2017 dazu. Sehr interessiert am Prozess und an den Ergebnissen sind auch die IHK Reutlingen, die (Energie)Stadt Lörrach, der Großabnehmerverband Energie Baden-Württemberg e.V. und die Klimapartner Oberrhein – Klimaschutz am Oberrhein e.V.).

Das Projekt heißt: „Entscheidung für Energieeffizienz - Auswirkungen von Unternehmenskultur und Technikdiffusion in produzierenden KMU in Baden-Württemberg“. Professorin Dr. Löbbe vom REZ und ihrem Team geht es darum, die Faktoren zu identifizieren, die einen effizienten Umgang mit Energie aufdecken, um Handlungsfelder zur Beeinflussung des praktischen Handelns zu identifizieren. Dazu werden mit Methoden der Sozialforschung das Verständnis über Entscheidungsprozesse für Energiesparen und der Einsatz energieeffizienter Technologien erfasst. Weiterhin die Haupttreiber von Verhaltens- und Entscheidungsprozessen für Energiesparen und den Einsatz energieeffizienter Technologien identifiziert, Handlungsempfehlungen für Unternehmen, Politik und Zivilgesellschaft abgeleitet und Vorschläge für verbesserte Instrumente und Kommunikationsstrategien zur Steigerung der Energieeffizienz entwickelt.

Um zu klären, warum Möglichkeiten zur Steigerung der Energieeffizienz nicht ausgeschöpft werden, widmet sich die Wissenschaft bisher meist nur ökonomischen oder technischen Perspektiven. Das vom Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Forschung Baden-Württemberg (MWK) geförderte Projekt schlägt dagegen einen innovativen Weg ein. Der alltägliche unternehmerische Umgang mit Energie, praktische Verhaltensänderungen, das Treffen von Investitionsentscheidungen und nicht zuletzt das Umsetzen von Energieeinsparungsmaßnahmen sind auch soziale Prozesse, die in bisheriger Forschung jedoch nur unzureichend berücksichtigt wurden. Dem Einfluss von Unternehmenskultur, Werten und Handlungsorientierungen im Kontext öffentlicher Anspruchsgruppen und wechselseitiger Erwartungen gilt daher das besondere Augenmerk des Forschungsprojekts.

Das Projekt ist ein weiteres Beispiel für die hohe Praxisorientierung der Forschung an der Hochschule Reutlingen – sichtbar an der Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Partnern, der Forschungsorientierung an den praktischen unternehmerischen Alltag und den breiten ökonomischen, technischen und sozialen Bezügen, die das komplexe Themenfeld Energieeffizienz ausmachen. Das Forschungsprojekt leistet einen konkreten Beitrag zum Ausbau der Lehr- und Forschungskompetenz an der Hochschule Reutlingen. Durch seinen interdisziplinären Ansatz verschafft dieses Projekt dem noch jungen Studiengang „Dezentrale Energiesysteme und Energieeffizienz“ eine wichtige Säule von Kompetenzen und Wissenszugängen. Ein Gesamtkonzept technisch-wirtschaftlich-sozialer Zusammenhänge zur Lösung einer der wichtigsten Fragen der Energiewende ermöglicht es, unternehmerische Antworten zu entwickeln. Antworten, die für die Entwicklung und Umsetzung von Energieeffizienz-Maßnahmen in Industrie und Gewerbe höchste Priorität genießen. Davon profitieren werden auch die Studierenden im Masterstudiengang "Dezentrale Energiesysteme und Energieeffizienz“ gerade durch praxisnahe Forschungs- und Entwicklungsarbeiten.