27.11.2018 | Kategorien TEC News

1stEngineering and Start-Up Summer School

Brückenschlag zur Ukraine ... Verbindungen für die Zukunft geschaffen

Von: tec/pr-krk, Max Alber

Erste Summer School in der Ukraine

Unter dem Motto „Building bridges, joining ideas“ haben elf Studierende der Hochschulen Reutlingen und Esslingen im Rahmen einer Sommerschule im September ihre ersten Ukraine-Erfahrungen gemacht. Begeistert von der Gastfreundschaft und der Projektarbeit mit ukrainischen Kommilitonen kehrten sie auf den Campus zurück. 

Trotz relativer geografischer Nähe ist die Ukraine für nicht wenige Deutsche ein weitgehend weißer Fleck auf der Landkarte. Und auch bei den Studierenden der Hochschule Reutlingen zählt sie nicht zu den beliebten Zielländern für Studienaufenthalte.

Dabei blicken die Hochschule Reutlingen (HSRT) und die Technical University Dnipro Polytechnic bereits auf 20 Jahre Hochschulkooperation bei den Ingenieurwissenschaften zurück. Jährlich kommen ukrainische Studierende und Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in größerer Zahl für studien- und forschungsbezogene Aufenthalte nach Reutlingen. Bei der Wahl einer Gasthochschule für das Auslandssemester spielt Dnipro jedoch für Reutlinger Studierende bislang kaum eine Rolle. 

Diese Unausgewogenheit war der Ausgangspunkt für die Idee einer gemeinsamen Summer School in der Ukraine. Zusammen mit der ukrainischen Partneruni wurde ein zehntägiges praxisorientiertes Veranstaltungskonzept entwickelt: Es umfasste Ingenieurprojekte, einen Start-up Workshop und ein vielfältiges Rahmenprogramm.

Was alle besonders freute, war der Gastbesuch des ukrainischen Botschafters, Dr. Andrij Melnyk, Mitte November an der Hochschule Reutlingen. Er war auf Einladung des CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Donth im Landkreis Reutlingen unterwegs und informierte sich über diverse deutsch-ukrainische Kooperationen in der Region. Unter anderem an unserer Hochschule bei der Fakultät Technik und wurde dort gemeinsam mit Michael Donth von Vizepräsident Prof. Dr. Gerhard Gruhler und Prof. Baldur Veit (Leiter des Reutlingen International Office) durch "die heiligen Hallen" geführt.

 

Vier Studiengänge tun sich zusammen! DEE, IP, MA, ME

Zum Auftakt der 1stEngineering and Start-Up Summer School“ reisten Ende September sieben Studierende der Fakultät Technik aus den Studiengängen Maschinenbau, Mechatronik, International Project Engineering sowie Dezentrale Energiesysteme- und Energieeffizienz gemeinsam mit Kommilitonen aus Esslingen in die Hauptstadt Kiew. Auf dem Programm standen dort unter anderem der Besuch historisch wichtiger Orte wie des Unabhängigkeitsplatzes „Majdan“. Dieser war zentraler Schauplatzes der Bürgerproteste, die Anfang 2014 nach massiver Gewalt der Regierung gegen Protestierende in der „Revolution der Würde“ gipfelten.

Nach einem intensiven Wochenende und einer sechsstündigen Überland-Busfahrt, erreichte die Reisegruppe Dnipro, eine im östlichen Landesteil gelegene Industriestadt mit etwa einer Million Einwohner. 

Nach einem herzlichen Empfang durch den Rektor und Professoren der Fakultät für Ingenieurwissenschaften der Partneruni Technical University Dnipro Polytechnic gefolgt von Labor- und Museumsführungen, startete bereits am ersten Tag die Projektarbeit. Sie war entsprechend einem realen Forschungs- und Entwicklungsprojekt in mehrere arbeitsteilige Projektgruppen organisiert. Unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Antonio Notholt vom Studiengang Mechatronik der Fakultät Technik der HSRT und einem ukrainischen Kollegen berechneten, konstruierten und simulierten die ukrainisch-deutschen Teams in den Folgetagen die bedarfsoptimierte Nutzung mehrerer, in einem dezentralen Stromnetz gekoppelter Energiegräte.

 

Start-Up Workshop - auf die Plätze fertig los! 

Den zweiten inhaltlichen Baustein der Summer School bildete ein „Start-Up Workshop“ unter Leitung von Laura Simons vom Center for Entrepreneurship der HSRT. Dabei wurden Methoden wie Design Thinking, Business Model Canvas und Interviewtechniken eingeführt und von den Teilnehmenden in praktischen Übungen angewendet. Im Mittelpunkt des Workshops stand die Entwicklung eines Geschäftsmodells: In Form eines Wettbewerbs von deutsch-ukrainischen Teams organisiert, präsentierten die Studierenden ihr Produkt oder ihre Dienstleistung dem Publikum, das durch Investment von Spielgeld das überzeugendste Geschäftsmodell bestimmen durfte.

 

Die Umgebung kennenlernen - auf Exkursion ...  

Komplettiert wurde das intensive Programm durch Exkursionen zu einem der größten Wasserkraftwerke Europas in der Stadt Saporischschja, zur (weil man das mit dem Anschluss der sonst mit der Stadt in Verbindung bringt) Kosaken-Festung Khortytsia, einen Firmenbesuch im Stahlwerk von Interpipe sowie einer Führung durch das Luft- und Raumfahrtmuseum der Ukraine. Trotz straffen Programms zeigten die Teilnehmenden bei der Projektarbeit wie auch bei der gemeinsamen Abendgestaltung Teamgeist und ließen keine Müdigkeit erkennen.

 

Feedback - Engagement für diese Partnerschaft!

Dank einer aufgeschlossenen, kommunikativen und engagierten Gruppe von deutschen und ukrainischen Studierenden, standen am Ende der Summer School weit mehr als fachlich relevante, messbare Resultate. „Die Projektarbeit in internationalen Teams hat richtig Spaß gemacht und war herausfordernd zugleich. Von den Erfahrungen werde ich für mein weiteres Studium und meinen späteren Berufsweg mit Sicherheit profitieren. Unsere ukrainischen Gastgeber haben sich grandios um uns gekümmert, daher möchte ich mich zukünftig gerne für unsere ukrainisch-deutsche Zusammenarbeit engagieren“, resümierte etwa International Project Engineering-Studentin Felicia.

Und ihr ukrainischer Kommilitone Artem ergänzte: „Egal ob Projektarbeit oder Freizeit - die Interaktion zwischen deutschen und ukrainischen Studierenden war super. Nachdem ich die deutschen Studierenden kennengelernt habe, möchte ich auf jeden Fall ein Semester an einer deutschen Partneruni studieren.“ 

Neben Erfahrungen in der internationalen Teamarbeit nahmen die Teilnehmenden differenzierte Eindrücke von verschiedenen Facetten der ukrainischen Kultur und Geschichte mit.

 

Und weiter geht’s …  

Eine nachhaltige Wirkung der Exkursion wurde mittels Vernetzung der Teilnehmenden beider Länder in sozialen Medien, der Mitarbeit von ukrainischen Teilnehmenden an Forschungsprojekten der Fakultät Technik an der HSRT sowie der Einbindung der deutschen Studierenden als Ukraine-Multiplikatoren bei Infoveranstaltungen angestrebt. 

„Die erste Summer School an unserer Universität mit deutschen Studierenden ist ein wichtiger Beitrag auf dem Weg zu einer umfassenden Partnerschaft. Ich hoffe, dass auf unser erfolgreich verlaufenes Pilotprojekt viele weitere gemeinsame Sommerschulen folgen“, so Prof. Gennady Pivnyak, Rektor der Partneruniversität Technical University Dnipro Polytechnic. 

Die deutschen Teilnehmenden bedanken sich herzlich für die Gastfreundschaft und die gemeinsamen Erlebnisse. 

Die Summer School wurde aus Mitteln des ERASMUS+ Programms KA 107 finanziert und vom Programm Ukraine Calling der Robert Bosch Stiftung unterstützt. 

Auf der Facebook-Seite 1st Engineering and Start-Up Summer School 2018 sind alle Aktivitäten der Summer School dokumentiert.

Ein Bericht über die Summer School im ukrainischen Regionalfernsehen gibt es hier