28.02.2019 | Kategorien TEC News

Energie aus Wind und Sonne für Versorgungssicherheit steuern

Bei Professor Dr. Bernd Thomas (2.v.l.) und seinem Forschungsteam (v.l.n.r.: Marouan Ben Elheni, Rainer Maier, Thomas Kemmler, Tobias Müller) am Reutlinger Energiezentrum der Hochschule Reutlingen dreht sich alles um die bedarfsgerechte Strom- und Wärmeerzeugung. Fotos: tec/pr-krk 

Von: tec/pr-krk, Kerstin R. Kindermann

Reutlinger Energiezentrum erhält neue Fördergelder für zwei weitere Forschungsprojekte zur bedarfsgerechten Strom- und Wärmeerzeugung

Insgesamt fünf mehrjährige Projekte laufen am Reutlinger Energiezentrum (REZ) im Forschungsbereich von Professor Dr. Bernd Thomas zu den Themen: bedarfsgerechte Ansteuerung von Wärmepumpen und industriellen Produktionsprozessen sowie dem optimierten Einsatz von Blockheizkraftwerken in der Industrie. Um die Versorgungssicherheit aufrecht zu erhalten und unseren gewohnten Komfort zu gewährleisten, wird die erneuerbare Stromerzeugung zunehmend von Windkraft- und Solaranlagen bestimmt - und zwar sektorübergreifend in den Bereichen Strom, Wärme und Verkehr. Dafür braucht es intelligente Steuerungsalgorithmen. Aktuell konnten an der Hochschule Reutlingen vom REZ zwei Projekte erfolgreich beantragt werden, in denen genau diese Algorithmen entwickelt und eingesetzt werden. 

„Wir haben einen ebenso leistungsfähigen wie universellen Algorithmus entwickelt, der für unterschiedliche Anwendungen eingesetzt werden kann“, freut sich Professor Dr. Bernd Thomas mit seinem Forschungsteam. „Mit dem ersten Projekt – automatisch gesteuerte Biogasanlagen - sollen Stromverbrauch und -erzeugung mit Hilfe von Energiespeichern aufeinander abgestimmt und so an das schwankende Angebot aus Solar- und Windkraftanlagen angepasst werden, beziehungsweise dieses ausgleichen.“ Bei dem Versuch, Blockheizkraftwerke an Biogasanlagen am Strom- und Wärmebedarf orientiert zu betreiben, liegt die Herausforderung an der Entkopplung des geplanten bedarfsgerechten BHKW-Betriebs und der eher kontinuierlichen Biogaserzeugung. Vor allem die Anwendung an konkreten Anlagen soll untersucht werden. Hierzu wird am Versuchsstandort Lindehöfe der Universität Hohenheim, der über eine Biosgas- und eine Photovoltaikanlage verfügt, die selbstlernende Steuerung für die Biogasanlagen entwickelt und erprobt. Modellhaft entspricht hier der Jahresenergiebedarf einem Dorf mit 150 Einwohnern. Ziel ist, dass diese Steuerung deutschlandweit auf ländliche Bereiche in dieser Größenordnung übertragen werden kann. Auf diese Weise erhoffen sich die Forscher am Reutlinger Energiezentrum den Nachweis der Praxistauglichkeit und die anschließende Umsetzung und Implementierung ihres Algorithmus in bestehende Anlagensteuerungen. 

Im zweiten Projekt geht es um die optimale Abstimmung verschiedener Stromerzeuger und –verbraucher. Dazu zählen Photovoltaikanlagen, Blockheizkraftwerke, Wärmepumpen und Ladesäulen für die E-Mobilität in urbanen Wohn- und Geschäftsquartieren mit Hilfe von Wärmespeichern und Batterien. Durch die beiden neuen Projekte fließen zirka 350.000 € Forschungsdrittmittel an die Hochschule Reutlingen, wodurch sich mit den bereits laufenden Projekten die Gesamtförderung auf 1 Million Euro € in diesem Forschungsbereich summiert.