19.06.2019 | Kategorien TEC News

GELaz - kein Eis, sondern Energie-Lade-Zellen auf dem Campus

Von: tec/pr-krk, Mirjana Apostolov, Bernhard Nold

Teilvorhaben „Gemeinschaftsdienliche Energie-Lade-Zellen am Campus Hochschule Reutlingen“ (GELaZ am Campus HS RT)

Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg bezuschusst Pilotprojekte zur intelligenten Netzanbindung von Parkhäusern und Tiefgaragen (INPUT). Das Reutlinger Energiezentrum (REZ) an der Hochschule Reutlingen hat einen Zuschlag erhalten für seinen Projektantrag „Gemeinschaftsdienliche Energie-Lade-Zellen“ in Zusammenarbeit mit dem International Solar Energy Research Center (ISC) Konstanz e.V. und den Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim GmbH. Mit weiteren Industriepartner wird im Teilvorhaben am Campusgelände die Demonstration einer intelligenten, gemeinschaftsdienlichen Anbindung, Steuerung und Betriebsweise von Ladeinfrastruktur auf Parkplätzen im Kontext größerer Liegenschaften in den nächsten 1,5 Jahren aufgebaut.

Mittelgroße und große Unternehmen und Institutionen mit entsprechend großen Mitarbeiter- und/oder Kundenparkplätzen betreiben meist betriebseigene Ortsnetztrafos, die aus der Mittelspannung gespeist werden.

Hieraus ergeben sich Chancen für die Installation von Ladeinfrastruktur. Offensichtlich können diese Chancen von Betreibern unabhängiger Ladeinfrastruktur teilweise aus administrativen Gründen nicht genutzt werden. Dieses Dilemma soll beispielhaft am Campus der Hochschule Reutlingen aufgezeigt und für alle Beteiligten gewinnbringend gelöst werden. Nach dem Motto „Köpfchen statt Kupfer“ sollen bestehende Ortsnetztrafos netzdienlich besser ausgelastet werden, anstatt neue Leitungen und Transformatoren zu installieren, welche anschließend mit geringerer Auslastung betrieben werden müssten.

Die Kommunikation mit der Ladeinfrastruktur erfolgt über SmartMeterGateways (SMGw). Das Lademanagement berücksichtigt sowohl lokale Engpässe, Lastspitzen und erneuerbare Erzeugungsüberschüsse innerhalb der Liegenschaft, als auch zentrale Rahmenbedingungen des Netzbetreibers zur Netzstabilisierung.

In Zukunft werden Unternehmen und Institutionen häufig die Verwaltung und Abrechnung der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge an spezialisierte Dienstleister abgeben. Eine klare Trennung zwischen der Energieversorgung und ihrer Abrechnung ist eine notwendige Voraussetzung um aus technischer Sicht intelligente, gemeinschaftsdienliche Lösungen anbieten zu können. Am Campus der Hochschule Reutlingen wird ein solches Vorgehen beispielhaft demonstriert:

Bei dem Teilvorhaben sollen die Möglichkeiten, Vor- und Nachteile bei der Nutzung bestehender und neuer Netzanschlusspunkte für Betreiber unabhängiger Ladeinfrastruktur aufgezeigt, bewertet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Es wird auf die Installation neuer Netzanschlusspunkte und Ortsnetztrafos innerhalb der Liegenschaft, falls regulatorisch zulässig, verzichtet. Ein Lademanagement verhindert eine interne Netzüberlastung und Lastspitzen. Die innerbetriebliche Versorgung der Hochschule hat dabei stets Vorrang gegenüber den Ladesäulen. Die Erfassung der Energie- und Leistungsflüsse erfolgt durch Messstellenbetreiber über die sichere Verbindung eines SmartMeterGateways (SMGw). Die Abgabe der Energie an die Elektrofahrzeuge erfolgt mit einem Lademanagement über geeichte Zähler für eine korrekte Abrechnung.

Auch in wirtschaftlicher Hinsicht sollen mögliche Herausforderungen aufgezeigt und gelöst werden. Der Eigenstromverbrauch innerhalb des Netzanschlusspunktes soll maximiert werden um Energiebezugskosten und Netzentgelte für Liegenschaft und Ladesäulen zu minimieren. Im Rahmen des laufenden Projektes „Demonstrator Virtuelles Kraftwerk Neckar-Alb“ wurden u.a. Photovoltaik und KWK-Anlagen aufgebaut und mit einer zentralen Leitwarte verknüpft. Diese Infrastruktur wird in das Lastmanagement mit einbezogen.

Nicht zuletzt wird auch die Auslastung der öffentlichen Netze mitberücksichtigt. Der Verteilnetzbetreiber FairNetz erhält über das eingebaute „SmartMeterGateway (SMGw)“ direkten Zugriff auf die Ladeinfrastruktur, um von seiner Leitstelle aus kritischen Netzzuständen frühzeitig entgegen wirken zu können.

Assoziierte Partner im Teilvorhaben auf dem Hochschulcampus sind:

  • FairEnergie GmbH
  • FairNetz GmbH
  • Avat Automation GmbH
  • Enisyst GmbH
  • Parkraumgesellschaft Baden-Württemberg
  • Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Tübingen