04.11.2019 | Kategorien TEC News

Wann geht der Kunde „ans Netz“?

REZ begleitet den Ausbau von Nahwärmenetzen im Landkreis Ludwigsburg

Baden-Württemberg strebt an, zur führenden Energie- und Klimaschutzregion zur werden, dazu stehen wir vor der Herausforderung den Gebäudebestand bis 2050 klimaneutral mit Wärme zu versorgen und überschüssige erneuerbare Energie effizient zu verteilen. Das heißt, bis Mitte des Jahrhunderts müssen Öl und Gas aus der Wärmeversorgung weitgehend verschwunden sein. Bei diesem Strukturwandel werden Wärmenetze eine zentrale Rolle spielen. Denn auf Basis von Wärmenetzen können viele Gebiete ökologisch optimiert und regional mit Wärme versorgt werden. Biomethan, Biogas, Solarthermie, Wärmepumpen und Abwärme aus der Industrie sollen hier sinnvoll verwendet werden, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Wärme macht 45% des Endenergieverbrauchs in BaWü aus – das ist der Hebel!

Doch wie bekommt man die Kunden dazu, sich an so ein Wärmenetz anschließen zu lassen? Noch dazu, wenn im Gebäudebestand ja eine andere Heizenergie, z.B. Öl oder Gas schon installiert ist? Dem gehen Frau Prof. Dr. Sabine Löbbe und André Hackbarth in einem Forschungsprojekt für die Naturenergie Kaiserstein GmbH nach.

Im Gebiet Kaiserstein in Schwieberdingen versorgt das Unternehmen seit 2014 sieben große Wohngebäude mit jährlich 4.100 Megawattstunden ökologisch erzeugter Wärme aus einem mit Biomethangas betriebenen Blockheizkraftwerk. Das bestehende Fernwärmenetz soll nun weiter ausgebaut werden. Wo genau die künftige Trasse verlaufen wird, richtet sich nach dem Bedarf der Anwohner. Die Betreibergesellschaft Naturenergie Kaiserstein hat dazu ein konkretes Interessenbekundungsverfahren im Ausbaugebiet gestartet. Damit die künftige Trasse geplant werden kann, gab es jetzt einen Informationstag direkt an der Heizzentrale. Das Reutlinger Energiezentrum führte eine Kundenbefragung durch, dessen Ergebnisse in die Optimierung der Marketing- und Vertriebsstrategie der Naturenergie Kaiserstein GmbH einfließen werden.

Diese Aufgabenstellung ist von weitergehendem Interesse. Schließlich betreiben ganz unterschiedliche Akteure – vom mittelgroßen Energieversorger bis zu Bürgerenergiegenossenschaft - allein in Baden-Württemberg ca. 280 Nah- und Fernwärmenetze. All diese Akteure benötigen erfolgreiche Marketing- und Vertriebsstrategien, um Ihr Scherflein zum Erfolg der Energiewende in Baden-Württemberg voranzutreiben.