01.07.2019 | Kategorien TEC News

IHK zeichnet Forscher für exzellenten Technologietransfer Neckar-Alb aus

Gelebte Nachhaltigkeit

„Auszeichnung für exzellenten Technologietransfer Neckar-Alb“: Karol Prettl, Prettl Group/Refu Elektronik GmbH, Professor Antonio Notholt, Hochschule Reutlingen, Dr. Wolfgang Epp, IHK Reutlingen, Professor Gerhard Gruhler, Hochschule Reutlingen (von links). Foto: Pacher

tec/pr-krk, Christoph Heise

Gelebte Nachhaltigkeit - Professor Notholt erhält Preis

Sieben Wissenschaftler aus Neckar-Alb werden mit dem IHK-Preis „Auszeichnung für exzellenten Technologietransfer Neckar-Alb“ geehrt. Die IHK würdigt damit praxisnahe Forschung, die innovative Produkte, Technologien und Dienstleistungen hervorgebracht hat. 

Die diesjährigen Preisträger arbeiteten außerordentlich engagiert mit regionalen Unternehmen zusammen und ermöglichten Innovationen bei der Energieversorgung, der nachhaltigen Herstellung von Sperrholz und bei der automatisierten Erkennung von Bauschäden.

„Die prämierten Projekte zeigen, dass das Schlagwort Nachhaltigkeit in unseren Firmen gelebt wird”, so IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp anlässlich der Verleihung. 

Effiziente Bausanierung

Das Team der Hochschule Albstadt-Sigmaringen, Professor German Nemirovski, Professor Andreas Knoblauch und Philipp Luniak, kooperierte mit der Viscan Solution GmbH aus Krauchenwies. Ziel war es, durch Bildaufnahmen Betonbauten wie Brücken, Straßen oder Gebäuden automatisiert auf Schäden prüfen zu können. Die Wissenschaftler entwickelten einen Algorithmus, der die Schäden auf Bildern erkennt. Auf der Basis Neuronaler Netze, also einer Künstlichen Intelligenz, wird der Algorithmus trainiert, um die Erkennungsrate zu weiter steigern. Mit der neuen Methode können Gebäudeschäden durch mit Kameras bestückte Drohnen ermittelt werden. Sanierungsmaßnahmen können so effizienter und damit kostengünstiger durchgeführt werden. 

Energie verwandeln

Das Kooperationsprojekt von Professor Antonio Notholt, Hochschule Reutlingen, mit der Refu Elektronik GmbH drehte sich um einen Teststand für volatile, also instabile Stromnetze. Ein neu entwickelter Batteriewechselrichter wandelt die in einer Batterie gespeicherte Ener- gie, die zum Beispiel aus Sonnenenergie gewonnen wird so um, dass diese in ein Stromnetz eingespeist werden kann und das Stromnetz stabilisiert. Notholt untersuchte das Produkt auf neue Einsatzgebiete, beispielsweise die ländliche Elektrifizierung in Entwicklungsländern oder im Bereich des Energiemanagements in der Industrie. Das Pfullinger Unternehmen kann mit den Erkenntnissen neue Märkte erschließen und gewinnt an Wettbewerbsfähigkeit. 

Energiekosten einsparen

Der Anstieg regenerativer Energie im Stromnetz lässt die Strompreise schwanken. Vor allem die Industrie kann Kosten sparen, wenn energieintensive Prozesse in Zeiten niedriger Energiepreise betrieben werden. Gemeinsam mit der AVAT GmbH, Tübingen, entwickelte Profes- sor Michael Menth von der Universität Tübingen Algorithmen, die mit Hilfe von Strompreis- prognosen optimale Fahrpläne für Anlagen, Aggregate und Maschinen berechnen. Durch das Modell können Firmen erheblich Kosten und Energie sparen und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten. Erste Praxistests in Firmen zeigten, dass Ersparnisse von bis zu 30 Prozent möglich sind. 

Nachhaltiges Sperrholz

Um die Herstellung von Brettsperrholz ging es im Projekt der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg mit weiteren vier Unternehmen (Holzwerk Keck GmbH, Ehningen, Dynea AS, Norwegen, Züblin Timber GmbH, Aichach, Forst BW, Stuttgart). Da Wälder zunehmend nat- urnah und nachhaltig mit Laubholz aufgeforstet werden und der Bestand an Nadelholz sinkt, galt es ein Verfahren zur Verwendung beider Hölzer im Sandwichbau zu entwickeln. Das Problem: Buche und Fichte sind hinsichtlich ihres Quell- und Dehnverhaltens unterschiedlich. Professor Bertil Burian und Professor Marcus Müller entwickelten ein Imprägniermittel, das das Verhalten beider Hölzer angleicht. Die Holzschichten werden verleimt und können so als vollwertiges Brettsperrholz verwendet werden. 

Hintergrund: Preis und Jury

Die Auszeichnung „Exzellenter Technologietransfer Neckar-Alb“ der IHK würdigt seit 2014 Wissenschaftler für ihren konkreten Einsatz beim Technologietransfer. Die vier vergebenen Preise sind jeweils gleichrangig. Sie sind undotiert. Die Preisträger werden von einer Jury aus Wirtschaft und Wissenschaft ermittelt. 

Zur Jury gehören Professor Günter Rexer, ehemaliger Rektor der Hochschule Albstadt-Sig- maringen, Professor Georg Obieglo ehemaliger Präsident der Hochschule Reutlingen, Frank Ganssloser, Geschäftsführer Avat Automation GmbH, Dr. Jürgen Seyler, Geschäftsführer Automation of Things Europe GmbH, Dr. Steffen Hüttner, Geschäftsführer HB Technologies AG und Dr. Stefan Engelhard, Leiter des IHK-Instituts für Wissensmanagement und Wissenstransfer. 

IHK-Service: Fragen zum Thema beantwortet Dr. Tobias Adamczyk, Technologietransfermanager, unter Telefon: 07121 201-253 oder per E-Mail: adamczyk@dont-want-spam.reutlingen.ihk.de, www.reutlingen.ihk.de