23.11.2018 | Kategorien TEC News

2. Reutlinger Energiediskurs - effizient - dezentral - digital

Beim Reutlinger Energiediskurs treffen sich Experten aus der Wirtschaft, Studierende und Wissenschaftler

Studierende, Forschende und Unternehmen tauschen sich beim Reutlinger Energiediskurs aus.

Intensiver Austausch zu aktuellen Energiefragen 

Unter dem Motto „Energie3: effizient, dezentral, digital“ fand am vergangenen Dienstag an der Hochschule Reutlingen der 2. Reutlinger Energiediskurs statt. In der Aula auf dem Hohbuch Campus stellte das Reutlinger Energiezentrum (REZ), das zum Diskurs eingeladen hatte, die drei titelgebenden Schlagworte und deren Bedeutung für die Transformation unserer Energielandschaft zur Diskussion. Gleichzeitig gewährten die Forscherinnen und Forscher des REZ einen Einblick in ihre erfolgreiche Arbeit der letzten drei Jahre und gaben einen Überblick zu Zukunftsplänen. 

Auf die erfolgreiche Arbeit des REZ hob auch gleich zu Beginn der Veranstaltung Prof. Dr. Gerhard Gruhler ab. Der Vizepräsident der Hochschule, zuständig für Forschung, stellte in Kürze die Hochschule und ihr einzigartiges Konzept der aktuell sechs Lehr- und Forschungszentren vor. Jedes dieser Zentren ist in einer Fakultät der Hochschule verankert. Im Fall des REZ ist dies die technische Fakultät. „Das REZ ist das jüngste unserer Lehr- und Forschungszentren. Es hat aber in den drei Jahren seines Bestehens sehr viel erreicht“, führte Gruhler anerkennend aus. 

Was diese Erfolge im Einzelnen sind und wie es überhaupt zur Gründung des REZ kam, schilderten dann im ersten Vortrag des Nachmittags Prof. Dr. Sabine Löbbe und Prof. Peter Kleine-Möllhoff. „Die Bereitstellung einer Professur aus der Technik sowie die Gewinnung einer Stiftungsprofessur sowie weiterer Unterstützung durch die Karl Schlecht Stiftung und die Bruno Kümmerle Stiftung ermöglichten es überhaupt erst, das REZ 2015 ins Leben zu rufen“, blickt Professor Kleine-Möllhoff zurück. Seitdem habe man im Master-Studiengang „Dezentrale Energiesysteme und Energieeffizienz“ und in einer ganzen Reihe von Forschungsprojekten viel Erfahrung mit neuen Ideen und Modellen für das Energiesystem der Zukunft gesammelt und vermittelt. 

Diesen Weg konsequent weiterzugehen ist indes auch eines der Hauptziele des Zentrums, wie Professorin Sabine Löbbe abschließend darstellte. Die Qualität in der Ausbildung künftiger Fach- und Führungskräfte über die Beschäftigung mit angewandter Forschung hoch und gleichzeitig am Puls der Zeit zu halten, sei eines der wichtigsten Themen. „So schaffen wir die Grundlagen für den Fortbestand des Zentrums und können die Vernetzung mit Experten und den Unternehmen der Energiewirtschaft weiter vorantreiben“, ergänzte die Professorin, die schwerpunktmäßig am Thema Geschäftsmodelle für Energieunternehmen forscht. Aktuell sind immer rund 45 Studierende gleichzeitig am REZ in den verschiedenen Semestern des Masterprogramms eingeschrieben. 

Ein Zukunftsmodell in der Energieversorgung wurde im zweiten Vortrag des Tages beleuchtet: Virtuelle Kraftwerke, die viele kleine dezentrale Stromerzeuger – wie z. B. Solaranlagen – zusammenschalten und deren erzeugte Energie managen. Sie stellen damit einen Verbund dar, der verlässlich elektrische Leistung aus erneuerbaren Energiequellen bieten kann. „Da sich die Produktion von Strom aus erneuerbaren Energiequellen am Wetter orientiert und nicht wie in der herkömmlichen Energieerzeugung am Bedarf, sind Ausgleichsmechanismen nötig, die Angebot und Nachfrage intelligent aufeinander abstimmen“, erläuterte Hellmuth Frey, Senior Referent der EnBW, die Bedeutung der virtuellen Kraftwerke, die auch neue Geschäftsmodelle wie Energie-Communities ermöglichen. Abschließend stellten dann Prof. Dr. Frank Truckenmüller und Dr. Bernhard Nold das Virtuelle Kraftwerk Neckar-Alb vor, das am REZ als ein Forschungsprojekt betrieben wird.

 

Im dritten Block nach der Kaffeepause beleuchteten schließlich Prof. Dr. Antonio Notholt von der Fakultät Technik und Andreas Zeitler von „GLOBLIS – Global Blockchain Institute“ die neuen digitalen Möglichkeiten, die die Blockchain-Technologien für die Energiewirtschaft darstellen. Die Blockchain-Technologie, die in der Anwendung als dezentrales Buchführungssystem der Distributed-Ledger-Technologien (DLT) bezeichnet wird, kann den Betrieb und die Regelung elektrischer Netze deutlich optimieren, da sie die Sicherheit und Transparenz von Daten und Prozessen in allen Knoten von dezentralen Netzwerken – wie beispielsweise dem Ladenetz für Elektroautos – verbessern. 

Nach den interessanten Vorträgen konnten die rund 100 Besucherinnen und Besucher in der zweiten Hälfte der Veranstaltung dann selbst aktiv werden. An insgesamt sechs Infoständen stellten die Forscherinnen und Forscher des REZ ihre Schwerpunkte vor, luden die Gäste zum intensiven und persönlichen Austausch und brachten ihnen die Inhalte und Ergebnisse ihrer Arbeit verständlich und „anfassbar“ rüber. 

In der abschließenden Podiumsdiskussion, die wie auch der gesamte Tag, souverän von Stefan Sagmeister, dem Chefredakteur des Magazins „Energie und Management“, moderiert wurde, beleuchteten die REZ-Professoren Prof. Dr. Clemens van Dinther und Prof. Dr. Bernd Thomas, REZ-Beiratsmitglied Dr. Volker Lang und die beiden Alumnae Francesca Räuchle und Lisa Oechsle die Zukunft der dezentralen Energiesysteme. Sie bewerteten jeweils aus eigener und aus Sicht der Gruppe, die sie vertraten, welchem der Aspekte des Veranstaltungstitels – Energieeffizienz, Dezentralisierung, Digitalisierung – sie die meiste Bedeutung geben würden. Wie so oft in der Energiewirtschaft wurde eine eineindeutige Antwort nicht gefunden, greifen die drei Bausteine ja auch ineinander: Ohne Digitalisierung ist ein dezentrales Energiesystem kaum möglich. Ohne Energieeffizienz ist eine Dekarbonisierung nicht darstellbar. Am Ende stehe, dieses Ziel sei klar, die Energiewende 2050. Nur über den Weg dorthin bestehe noch Dissens.