Wasserstoffinfrastruktur an der Hochschule komplett

„Das Wasserstoff-BHKW am Prüfstand der Hochschule Reutlingen“ v.l.: Prof. Dr.-Ing Bernd Thomas (Projektleiter), Marius Hölz, Louis Branz (beide Masterstudenten), M.Sc. Daniel Jentsch (wiss. Mitarbeiter und Promotionsstudent)
Mit der Inbetriebnahme eines wasserstoffbetriebenen Motor-Blockheizkraftwerks kann an der Hochschule Reutlingen ab sofort die gesamte Prozesskette von der Elektrolyse über den Transport und die Speicherung bis hin zur Wandlung von Wasserstoff in Strom und Wärme in praxistauglichem Maßstab demonstriert werden.
Ein Motor-Blockheizkraftwerk (BHKW) mit einer elektrischen Leistung von 50 kW komplettiert von nun an die Wasserstoffinfrastruktur an der Hochschule Reutlingen. Damit kann diese Technologie in einem Maßstab, der beispielsweise für mittelständische Industrieunternehmen zur Sicherung der Stromversorgung u.a. bei Ausfällen wie jüngst in Berlin und Reutlingen von Interesse ist, in vollem Umfang abgebildet, demonstriert und weiterentwickelt werden.
Entsprechend erfreut zeigt sich Prof. Thomas, Leiter des Reutlinger Energiezentrums: „Eine derartige Anlage in praxistauglichem Maßstab ist sowohl für Hochschulen als auch für Herstellerfirmen einzigartig. Häufig werden die einzelnen Komponenten wie Elektrolyseur oder Wasserstoff-BHKW separat entwickelt. Viele Fragen zum praktischen Einsatz lassen sich aber erst im Zusammenspiel der einzelnen Komponenten und unter zusätzlicher Betrachtung von Speicherung und Transport des Wasserstoffs beantworten, was nun bei uns an der Hochschule möglich ist.“
Das wasserstoffbetriebene Blockheizkraftwerk wurde von der Firma Kraftwerk dezentrale Energiesysteme GmbH in Hannover entwickelt und der Hochschule für ihre Untersuchungen zur Verfügung gestellt. „Für uns ist die Zusammenarbeit mit der Hochschule Reutlingen an dieser Stelle sehr wertvoll. Während derartige Motoren bei uns nur mit Wasserstoff aus Gasflaschen und damit nur kurzzeitig getestet werden können, ist die Hochschule aufgrund ihrer kompletten Infrastruktur in der Lage, die Anlage für längere Zeiträume unter praxisnahen Randbedingungen zu betreiben“, so Markus Henning, Mitglied der Geschäftsführung der Firma Kraftwerk GmbH.
An der Hochschule Reutlingen wird bereits seit mehreren Jahren an Wasserstofftechnologien geforscht, und mit dem Projekten H2-Flex und H2-Grid ist sie Teil der Modellregion „Grüner Wasserstoff“ in Baden-Württemberg. Schwerpunkt in Reutlingen ist die dezentrale Erzeugung, Versorgung und Nutzung von Wasserstoff. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Effizienz. Angesichts der anfänglich hohen Investitionskosten für den Aufbau entsprechender Wasserstoffinfrastrukturen ist es von besonderer Wichtigkeit, neben der Stromausbeute auch auf die Nutzung der anfallenden Abwärme zu achten. Aus diesem Grund ist der Elektrolyseur der Reutlinger Anlage wassergekühlt, und bei der Rückwandlung des Wasserstoffs in die Nutzenergie Strom kann die zwangsläufig anfallende Abwärme durch den Einsatz eines BHKWs beispielsweise zur Beheizung von Gebäuden nutzbar gemacht werden. „In dieser nahezu vollständigen Energieausnutzung sehen wir die Grundlage für die Etablierung der Wasserstofftechnologie insbesondere in der dezentralen Anwendung“, zeigt sich Prof. Thomas von der Technologie überzeugt.
Ein weiterer Aspekt, dem besondere Beachtung bei den Forschungsarbeiten an der Hochschule geschenkt wird, ist die Flexibilität der Geräte. Das bedeutet konkret, dass untersucht wird, wie schnell das BHKW nach dem Einschalten elektrischen Strom und Wärme bereitstellen kann. Diese Fragestellung zielt auf die zukünftig immer wichtiger werdende Rolle von BHKW zur Sicherstellung einer konstanten Stromversorgung an, gemäß der die Geräte immer dann einspringen, wenn keine Sonne scheint und kein Wind weht, d.h., wenn nicht ausreichend genug erneuerbarer Strom zur Verfügung steht. In diesen Zeiten der sogenannten Dunkelflauten sind dezentrale Blockheizkraftwerke prädestiniert, die Stromversorgung stabil zu halten. Gleiches gilt für Fälle, in denen die öffentliche Stromversorgung für mehrere Stunden oder Tage unterbrochen ist, wie es unlängst in Berlin und Reutlingen vorgefallen ist. Sofern die Geräte dann noch mit grünem Wasserstoff betrieben werden, ist dies auch mit Blick auf den Klimaschutz die Methode der Wahl.
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